NaWoh: Qualitätssiegel für nachhaltigen Wohnungsbau
„Noch ein Nachhaltigkeitssiegel? Braucht die Welt das wirklich?“ Die Antwort lautet: Ja – wenn es um bezahlbaren Wohnraum geht. Das Qualitätssiegel Nachhaltiger Wohnungsbau (NaWoh) ist kein weiteres Label, sondern ein strategisches Werkzeug, um Fördergelder zu sichern und nachhaltige Wohnprojekte umzusetzen.
Was ist NaWoh?
Warndtstraße Ulm: NaWoh-zertifiziertes Wohnprojekt mit sozialem Wohnungsbau. | Quelle: Stadt Ulm
NaWoh wurde vom Verein für nachhaltiges Bauen entwickelt und konzentriert sich auf Wohngebäude (Neubau und Komplettmodernisierung). Im Gegensatz zu anderen Zertifizierungen wie DGNB oder BREEAM liegt der Fokus auf:
Stroh als Baustoff: Die Zukunft des Bauens ist kompostierbar
„Strohballenhäuser? Klingt wie aus dem Märchen – ist aber eine der nachhaltigsten Bauweisen der Zukunft.“ Was vor 100 Jahren in Nebraska begann, erlebt heute ein Comeback: Stroh als Baustoff. Warum? Weil es klimaneutral, günstig und extrem langlebig ist.
Warum Stroh? Die Fakten
CO₂-Bilanz: Stroh bindet CO₂ – im Gegensatz zu Beton, der für 8% der globalen Emissionen verantwortlich ist. Ein Strohballenhaus speichert etwa 50 kg CO₂ pro m².
Kreislauffähigkeit: Stroh ist zu 100% kompostierbar und recyclingfähig. Kein Sondermüll, keine Deponie.
Kosten: Stroh ist bis zu 30% günstiger als konventionelle Dämmstoffe (z. B. Mineralwolle).
Energieeffizienz: Strohballen dämmen besser als Beton – ideal für Passivhäuser.
Mythen vs. Fakten: Was Stroh wirklich kann
Mythos
Fakt
„Stroh brennt wie Zunder.“
Falsch! Verdichtete Strohballen sind brandhemmend (F90) – vergleichbar mit Holz.
„Stroh schimmelt.“
Falsch! Trockenes Stroh + fachgerechter Wandaufbau = kein Schimmel.
„Stroh zieht Mäuse an.“
Falsch! Geschlossene Putzschichten verhindern Ungeziefer – wie bei jedem anderen Haus.
Praxisbeispiel: „The Cradle“ in Düsseldorf
Das Bürogebäude „The Cradle“ (Fertigstellung 2023) ist ein Vorzeigeprojekt für strohgedämmtes Bauen in Deutschland:
Materialien: Strohballen, Holz, Lehmputz.
Energie: Plusenergie-Standard (erzeugt mehr Energie als es verbraucht).
Zertifizierung:DGNB-Gold und Cradle-to-Cradle-zertifiziert.
Besonderheit: Die Fassade besteht aus recycelten Ziegeln – ein Musterbeispiel für Urban Mining.
„Stroh ist kein Nischenprodukt mehr. Es ist eine ernsthafte Alternative für klimaneutrales Bauen.“ – HPP Architekten (Planer von „The Cradle“)
DGNB-Zertifizierung: Bürokratie-Monster oder Schlüssel zur Nachhaltigkeit?
„Nachhaltigkeit zertifizieren? Das ist doch nur was für Großkonzerne!“ Falsch gedacht. Das DGNB-System (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) ist das weltweit strengste Zertifizierungssystem – und ein mächtiges Werkzeug für jedes Bauprojekt. Aber wie funktioniert es? Und lohnt es sich?
DGNB Schritt für Schritt: Vom Antrag zur Zertifizierung
Die DGNB-Zertifizierung ist kein Selbstläufer. Hier sind die wichtigsten Schritte:
Vorbereitung (3–6 Monate):
Projektanalyse: Welche Kriterien sind relevant? (Neubau, Sanierung, Innenräume?)
Kostenplanung: Zertifizierungskosten (ca. 0,3–0,5% der Bausumme) + Beraterhonorar.
Planung (6–12 Monate):
Integration der DGNB-Kriterien in die Planung (z. B. Materialauswahl, Energiekonzept).
Dokumentation: Nachweise für alle Kriterien (z. B. EPDs, Energieausweise).
Prüfung (2–3 Monate):
Einreichung der Unterlagen beim DGNB.
Audit durch unabhängige Prüfer:innen.
Zertifizierung:
Ausstellung des Zertifikats (Bronze, Silber, Gold, Platin).
Öffentlichkeitsarbeit: Nutzung des DGNB-Logos für Marketing.
DGNB vs. LEED vs. BREEAM: Was ist besser?
Kriterium
DGNB
LEED (USA)
BREEAM (UK)
Fokus
Ganzheitlich (Ökologie, Ökonomie, Soziokultur)
Energieeffizienz
Umweltperformance
Kosten
Mittel (0,3–0,5% der Bausumme)
Hoch (0,5–1%)
Mittel (0,4–0,7%)
Anpassung an DE
✅ Optimal (lokalisierte Kriterien)
❌ Teilweise angepasst
⚠️ Teilweise angepasst
Praxisbeispiel: Sedelhöfe Ulm – DGNB-Platin in der Praxis
Das innerstädtische Quartier Sedelhöfe in Ulm ist eines der ersten DGNB-Platin-Projekte in Baden-Württemberg. Wie wurde das erreicht?
Prozess: Frühzeitige Integration der DGNB-Kriterien in die Planung.
„DGNB hat uns geholfen, Nachhaltigkeit messbar zu machen. Ohne das Zertifikat hätten wir die Fördergelder nicht bekommen.“ – Projektleiter DC Developments
Kosten vs. Nutzen: Lohnt sich DGNB?
Die Zertifizierung kostet Geld – aber sie rechnet sich:
Kosten:
Zertifizierungsgebühren: 10.000–50.000 € (abhängig von Projektgröße).
Beraterhonorar: 15.000–30.000 €.
Nutzen:
Fördergelder: Bis zu 15% der Bausumme (z. B. KfW-Programme).
Wertsteigerung: DGNB-zertifizierte Gebäude erzielen höhere Mieten (+5–10%).
Imagegewinn: Nachweisbare Nachhaltigkeit für Investoren und Mieter.
Sedelhöfe Ulm: DGNB-Gold-zertifiziertes Quartier in Holzhybrid-Bauweise. | Quelle: DC Developments / Pics Location
Fazit: DGNB ist kein Siegel – es ist ein Werkzeug
Die DGNB-Zertifizierung ist kein „Greenwashing“-Siegel, sondern ein strategisches Tool für:
Bauherren, die langfristig Kosten sparen wollen.
Planer:innen, die nachhaltige Projekte umsetzen.
Investoren, die in zukunftssichere Immobilien investieren.
👉 Du planst ein DGNB-Projekt? Wir begleiten Dich von der Antragstellung bis zur Zertifizierung. Kontaktiere uns!
BNB: Nachhaltigkeit für Bundesbauten – mehr als nur ein Siegel
„BNB? Das ist doch nur für Bundesgebäude – was bringt mir das?“ Falsch gedacht! Das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) ist das strengste Zertifizierungssystem für öffentliche Bauprojekte in Deutschland – und ein Vorbild für private Investoren. Warum? Weil es Nachhaltigkeit messbar, vergleichbar und umsetzbar macht.
Was ist das BNB-System?
Das BNB wurde vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) entwickelt und ist verpflichtend für alle Bundesbauten. Es bewertet Gebäude nach fünf Kriterien:
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